Ein Tanzprojekt für pflegebedürftige Menschen und ihre Mitmenschen
Abschluss des Projekts:
Einer Seniorengruppe im Gerhard-Kersting-Haus (GKH) wurde ein Einblick in die Welt des Tanzes gegeben. Fast ein Jahr lang wurde gemeinsam gearbeitet, geschwitzt, gelacht, geweint und getanzt.
In dieser Zeit haben sich vielfältige und spannende Prozesse entwickelt. Im Mittelpunkt stand dabei die körperliche und geistige Weiterentwicklung der Teilnehmenden. Zu Beginn war häufig Unsicherheit spürbar: Wer möchte mich überhaupt tanzen sehen? Und was bedeutet „Tanzen“ in diesem Zusammenhang? Viele fühlten sich körperlich eingeschränkt und zweifelten an ihren Fähigkeiten.
Mit der Zeit überwogen jedoch Neugier, Durchhaltevermögen und die Freude am gemeinsamen Tun. Besonders das Erleben von Gemeinschaft und Bewegung förderte das Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit.
Deutlich sichtbar ist eine Verbesserung der Mobilität vieler Teilnehmender. Es zeigt sich: Tanzen und kulturelle Teilhabe tragen wesentlich dazu bei, Menschen über sich hinauswachsen zu lassen und ihre körperliche Fitness zu erhalten.
Fotos: Yasemin Genc
Am 17. Oktober fand die Tanzprobe im Theater Maschinenhaus in Essen statt. An dem Ausflug nahmen fünf Tänzer:innen teil, wobei das gesundheitliche und emotionale Wohl der Beteiligten stets oberste Priorität hatte.
Ziel des Besuchs war es, den Teilnehmenden einen Einblick in die Welt des Theaters zu ermöglichen und herauszufinden, wie sie die ungewohnte Umgebung außerhalb des Heims, insbesondere die Bühne, wahrnehmen. Für die Gruppe stellte dies eine neue, zugleich sehr anregende Erfahrung dar.
Das Ergebnis fiel durchweg positiv aus. Die Teilnehmenden zeigten sich begeistert von der Bühne, der Beleuchtung und der Atmosphäre des Raums. Die Umgebung der Zeche war vielen vertraut und weckte zahlreiche Erinnerungen. Bevor die Probe begann, wurde daher Zeit gegeben, um diese Eindrücke und Erinnerungen zu teilen. Es entstanden lebhafte Gespräche und persönliche Rückblicke.
Für die Abschlussveranstaltung wurde entschieden, dass die Gruppe noch nicht bereit für einen öffentlichen Auftritt ist.
Der gesamte Prozess wurde von den Kursleiterinnen und Kursleitern Cinthia Nisiyama, Bianca Pulungan und Elena Martin Casais einfühlsam, aber auch fordernd begleitet, unterstützt vom Musiker Miguel Martin, bis zur Abschlussveranstaltung am 16.11. um 10:30 Uhr im GK-Haus.
Die Performance verband einstudierte Bewegungselemente aus den Proben mit Raum für Improvisation. Zudem bestand für das Publikum die Möglichkeit, sich aktiv zu beteiligen, wodurch am Ende ein harmonischer und freier Tanz auf der Bühne entstand.
Besonders hervorzuheben ist die Willenskraft und Begeisterung aller Teilnehmenden. Der Großteil blieb dem Projekt von Beginn an treu. Einige mussten aus gesundheitlichen Gründen pausieren oder ihre Teilnahme beenden, andere nahmen nur gelegentlich teil und fühlten sich dem Projekt weniger verbunden. Etwa sieben Teilnehmende waren – soweit es ihre Gesundheit zuließ – kontinuierlich beteiligt.
Die Begegnung mit den Teilnehmenden hinterließ bei den Leitenden einen nachhaltigen Eindruck. Zu Beginn standen Erwartungen und Wünsche im Vordergrund, die jedoch im Laufe der Zusammenarbeit einer ruhigeren, gelasseneren Haltung wichen. Im Verlauf der Proben zeigte sich, dass emotionale Nähe ein wichtiger Bestandteil des gemeinsamen Erlebens war. Deutlich wurde, dass in allen Beteiligten – unabhängig vom Alter – ein kindlicher Wesenskern lebendig bleibt.
Der Tanz erwies sich häufig als Auslöser positiver Emotionen und weckte mitunter tief verankerte Erinnerungen, die teilweise auch zu Tränen rührten. In solchen Momenten entstand eine besondere Atmosphäre gegenseitiger Wertschätzung und Präsenz.
Die entstandene respektvolle und freundschaftliche Verbindung zwischen Leitung und Teilnehmenden wird als bereichernd empfunden. Jede Probe wurde als positive Erfahrung erlebt, und aus dem gesamten Projekt geht eine spürbare Energie und Zuversicht hervor.
"Wir lehnen uns jetzt über die Weihnachtszeit etwas zurück..."
"...sammeln neue Ideen und machen im nächsten jahr auf jeden Fall weiter!"
Ein besonderer Dank gilt dem gesamten Team des Gerhard-Kersting-Hauses für die freundliche und engagierte Unterstützung. Hervorgehoben werden Claudia Wenzel und Sabrina Pezeshk Pour für ihre kontinuierliche Begleitung sowie Ute Herrmann, die als Heimleiterin das Projekt maßgeblich unterstützt hat.
Ebenso wird allen Unterstützerinnen, Unterstützern und Förderern des Projekts herzlich gedankt.