Entwicklungen und Neuigkeiten in der Arbeit des GERD-Teams der Funkestiftung Essen

Förderung Funkestiftung

Das GERD-Team (Gruppenergänzender Dienst) der Funkestiftung Essen besteht aus dem Freizeitpädagogen Marko Adler, der Heilpädagogin und Kunsttherapeutin Kerstin Herzogenrath und den Lehrkräften Robert Klötzing und Hr. Algür.

Gemeinsam unterstützen sie durch ihre jeweiligen Schwerpunkte die pädagogische Arbeit in den Wohngruppen. Durch regen Austausch und gemeinsame Ziele gelingt diese Zusammenarbeit.

Kreativität, Methodenvielfalt, Flexibilität, Aktivität und individuelle Ansprache gehören zur täglichen Arbeit des GERD-Teams dazu, um die Kinder und Jugendlichen auf bestmöglichen Wegen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu unterstützen.

Freizeitpädagogik

Vielen Kindern und Jugendlichen fällt es zurzeit besonders schwer, ihre Freizeit abwechslungsreich und kreativ zu gestalten. Die aktuell anhaltende Corona-Lage stellt für den freizeitpädagogischen Bereich daher weiterhin eine große Herausforderung dar und erfordert ein sehr flexibles und situatives Vorgehen im pädagogischen Handeln.

Durch eingeschränkte Kontakte und die reduzierten Freizeitmöglichkeiten für die Kinder und Jugendlichen fehlen den jungen Menschen die Möglichkeit, sich in gewohnter Interaktion im Spiel und Freizeitverhalten auszuprobieren. Einige der Bewohner entwickeln dadurch vermehrt eine Antriebslosigkeit, begleitet durch Sorgen und Ängste.

Genau hier kann gezielt die Freizeitpädagogik ansetzen, um den Kindern und Jugendlichen weiterhin Freizeitmöglichkeiten zu bieten und sie für ein aktives Spielverhalten zu motivieren. Sie haben die Möglichkeit, Freude und Spaß – gerade in diesen schweren und für sie sehr belastenden Zeiten – zu erleben

Unter Berücksichtigung und Einhaltung der AHA-Regeln können den Bewohnern auch weiterhin viele kleine und spannende Erlebnisse und Abenteuer in ihrer Freizeit geboten werden.

Hier hat sich das bestehende freizeitpädagogische Konzept für die Kinder und Jugendlichen der Funkestiftung wieder sehr bewährt und verdeutlicht seine Notwendigkeit und Aktualität. So werden die Freizeitangebote vorwiegend im Freien in kleinen Gruppen oder Einzelaktionen durchgeführt, aber werden auch weitere Möglichkeiten angeboten, wie Spiel und Sport im Festsaal, z.B. beim Tischtennistraining oder Trampolinspringen, bei dem möglichst viele Kinder in einem rotierenden Wechsel teilnehmen können.

Ein speziell dafür entwickelter Freizeitplan soll möglichst vielen Kindern täglich ein Spielangebot bis in den Abend- bereich ermöglichen, denn das Bedürfnis und die Nachfrage ist sehr groß. Dadurch können täglich bis zu 20 Kinder und Jugendliche der Einrichtung diese Angebote nutzen.

Die Angebote werden dem aktuell verstärkten Bedürfnis nach Bewegung und Abwechslung der jungen Menschen gerecht.

Individualpädagogisches Angebot

Diese Einzelangebote werden weiterhin schwerpunktmäßig auf die Bedürfnisse und vereinbarten Hilfeplanzielsetzungen der Bewohner abgestimmt und deren Maßnahmen entsprechend geplant und reflektiert.

Nach wie vor nehmen die Kinder und Jugendlichen, die schon im letzten Bericht beschrieben wurden, an den vereinbarten individualpädagogischen Angeboten teil.

Es gibt aufgrund der aktuellen Situation einen erhöhten Bedarf auch weitere Kinder und Jugendliche an diesen Maßnahmen zu beteiligen, gerade jetzt, da sie aktuell vermehrt und verstärkt Verhaltensauffälligkeiten und Defizite zeigen.

Dem kann durch die Freizeit- und Erlebnispädagogik gezielt und konstruktiv entgegengewirkt werden.

Es wurden daher auch viele weitere Kinder und Jugendliche nach entsprechender pädagogischer Abklärung der Bedarfslage und Zielsetzungen in Fachgesprächen, sowohl für einmalige, als auch für regelmäßige Individualaktionen, angemeldet.

Der Zeitumfang variiert je nach Angebotsinhalten zwischen einer und ca. 4 Stunden.

Nachfolgend einige exemplarische Bespiele.

Motivation fördern – Perspektiven aufbauen „Das Renovierungsprojekt“

R. (15Jahre) ist ein Jugendlicher der bereits seit längerer Zeit in individualpädagogischen Maßnahmen mit dem Freizeitpädagogen eingebunden ist.
Wie schon bereits beschrieben ist R. sehr antriebslos und kann sich selber nicht motivieren.

Er neigt zu depressiven Verhalten, das sich während der aktuellen Corona Lage verstärkt hat.
Bisher habe ich versucht, sein Interesse für sportliche Aktivitäten zu wecken und ihn u.a. für eine mehrtägige Radtour zu begeistern.

Da R. zudem kurz vor einem Praktikum im Bereich Maler/ Lackierer stand, konnte ich ihn dafür gewinnen, sich bei der Renovierung des freizeitpädagogischen Bereiches tatkräftig einzubringen und sich in den Tätigkeiten auszuprobieren. Aufgrund meiner sehr guten Beziehung zu R., durch die vielen gemeinsamen intensiven Individualangebote, konnte ich ihn für dieses Projekt schnell motivieren.

Neben der Begleitung durch den Freizeitpädagogen wurde die mehrtägige Maßnahme durch einen ehemaligen Heimbewohner, der gelernter Maler ist, unterstützt.

R. zeigte sich von Anfang an begeistert und sehr engagiert. Er übte sehr gewissenhaft und genau seine Tätigkeit aus und konnte in seiner Motivation durch mein entsprechendes Lob und durch das tolle Ergebnis unterstützt und gestärkt werden.
R. freute sich nun mehr auf sein bevorstehendes Praktikum und kann sich für sein Leben eine Ausbildung als Maler und Lackierer gut vorstellen.
Für seine engagierte Unterstützung wurde R. mit einem kleinen finanziellen Obolus honoriert.

Erst kürzlich sagte er zu mir, dass er zwar traurig sei, perspektivisch nicht mehr nach Hause zu können, aber sehr froh, dass er mich als Bezugsperson und Motivator hat, der ihn weiter in seinem Lebensweg belgleitet, und er sich dadurch noch an vielen Aktionen beteiligen kann.

Sich anerkannt und bestärkt fühlen

J. (11 J.) ist ein sehr verhaltensauffälliger Junge mit einer erheblichen familiären Problematik. Er wird sehr schnell und plötzlich aggressiv und verweigert sich, da er geringste Konflikte nicht aushalten kann.

J. hat außerdem eine sehr geringe Frustrationsgrenze, da er es nicht aushalten kann, wenn andere etwas besser beherrschen als er.
Über seine Gefühle kann er nicht sprechen und emotionale Freude kaum zeigen.

Seine Verhaltensauffälligkeiten erklären sich durch seine sehr belastende familiäre Situation.
J. ist dadurch sehr traurig und enttäuscht und zeigt dies eher durch Aggressionen.

Ich gebe J. auch weiterhin durch regelmäßige Einzel- angebote die Möglichkeit, einfach mal „den Kopf frei zu bekommen“ und versuche, seinem Bedürfnis nach Bestätigung und Zuwendung gerecht zu werden.

Er kann aus seinem unruhigen Umfeld bei den Einzel- angeboten gut abzuschalten und sich auf eine Sache konzentrieren.
J. hat u.a. viel Freude und Interesse an Kreativangeboten und Werken. Er äußerte z.B. den Wunsch für sein Zimmer etwas zu gestalten.

Da er ein großer Comic-Fan der Marvel-Superhelden ist, erarbeitete er ein großes Spiderman-Bild auf Holz.
Bei der Aktion verbalisierte er seine Gefühle und Probleme, die ihn bewegen. Die Figur, für die er sich als Motiv entschieden hat, symbolisiert für ihn Stärke und Beachtung, wie er mir erzählte.

Ein weiteres Kind, für das regelmäßige Individualangebote nach entsprechender Bedarfslage vereinbart und installiert wurden, ist D. (8 J.).
Sie ist ein sehr introvertiertes Mädchen mit großen Unsicherheiten und Ängsten. Sie traut sich kaum etwas zu und wirkt bei Aktionen häufig traurig und abwesend.

D. vermisst sehr ihre Eltern, zu denen sie keinen Kontakt hat.
Um ihre Lebensfreude zu wecken, habe ich mit D. viele kleine spannende Angebote – wie ein abendlicher Besuch im Grugapark bei Parkleuchten – ermöglicht.

Auch Angebote im sportlichen Bereich, wie z.B. Eislaufen bei „Essen on Ice“ führten dazu, dass D. zunehmend selbstsicherer wurde und auch viel glücklicher wirkte. Für sie war gerade die Einzelzuwendung sehr wichtig. Dadurch konnte ich ihr die nötige Aufmerksamkeit und Unterstützung, z, B. durch ein gezieltes Eislauftraining, zukommen lassen.

Ihr Interesse wurde für weitere Angebote geweckt.
D. ist nun viel motivierter, redseliger und fröhlicher und möchte noch an vielen weiteren gemeinsamen Abenteuern teilhaben.

Er genoss die Einzelzuwendung und war sichtlich stolz, als er nach mehreren Kreativtagen sein Bild fertiggestellt hat und es in seinem Kinderzimmer aufhängen konnte.

Das Üben auf dem Eis erfordert Mut, Vertrauen, Ausdauer und Spaß an der Sache.

Heilpädagogik

In Bewegung kommen

M. ist ein 15jähriger Jugendlicher, der seit fast zwei Jahren in der Funkestiftung lebt. Seit einem Jahr nimmt er an der heilpädagogischen Begleitung teil.

In den ersten Terminen fiel M. besonders durch seine Gesprächsführung auf. So wartet er lange ab, bis er seine Worte formuliert und Unterhaltungen sich fortsetzen lassen. Dadurch kann es leicht passieren, dass man ihm ins Wort fällt – schließlich ist nicht immer vorherzusehen, ob er sich noch weiter äußern wird oder nicht. Insgesamt entstand der Eindruck, dass sich M. sehr zurückhält und stark kontrolliert.

Zu Beginn der Begleitung stand sein Wunsch im Vordergrund, mehr Selbstbewusstsein zu gewinnen, um sich vor allem gegenüber seinem grenzüberschreitenden und abwertenden Vater besser behaupten zu können. Gespräche hierüber schienen M. jedoch zu ermüden und eher zu langweilen. Die Überlegung, ihm ein kunsttherapeutisches Angebot zu machen, war daher naheliegend. Aus einem Gespräch ergab sich dann auch die Idee für sein erstes Werk mit Buntstiften: Drei Bäume – der erste noch klein, der dritte dann bereits groß geworden. Durch dieses Bild konnten wir seine Vergangenheit, aber auch seine Wünsche und Hoffnungen für seine Zukunft besprechen.

Bei diesem Vorgang war zu beobachten, dass er mit sehr viel mehr Eifer und Energie als sonst erfüllt war und der Kontakt zu ihm entspannter wurde. So war bspw. auch sein Redefluss weniger gebremst.

Es schien ihm daher auch gelegen, dass er in den folgenden Terminen seiner Begeisterung für Bügelperlen nachkommen konnte. Zwar entspricht diese Tätigkeit nicht seinem Alter, aber durch das Angebot wurde er einerseits in seinen Bedürfnissen ernst genommen. Andererseits sollte es unterstützen, weiter in gelöstem Kontakt mit ihm zu sein. Mit der Zeit entstanden somit viele Bügelperlenfiguren aus dem Computerspiel Super Mario, mit dem sich M. sehr auskennt. Zur Arbeit mit Bügelperlen ist zu erwähnen, dass jede Perle nach einer festgelegten Vorlage ausgesucht und eingesetzt wird, bis eine Figur entsteht. Diese Vorgehensweise entspricht M.s vorsichtigem und überlegtem Handeln sehr gut.

Um ihn nun darin zu unterstützen, sich freier und spontaner

Um ihn nun darin zu unterstützen, sich freier und spontaner auszudrücken, wurde ihm vorgeschlagen, kleine „Bühnenbilder“ für seine viele Figuren zu entwerfen. Tatsächlich entstanden mit der Zeit insgesamt drei unterschiedliche Kulissen, die M. mit selbst gemischten Acrylfarben gestaltete. Er beschäftigte sich intensiv damit und überlegte nicht lange.

In kunsttherapeutischen Prozessen geht es auch darum, neue Erfahrungen im eigenen Selbsterleben zu machen, dies in den eigenen Gestaltungen zu erkennen und, wenn möglich, es auch zu beschreiben. M. konnte sich hierauf gut einlassen. Unterschiedliche Qualitäten und Eigenschaften der beschriebenen zwei Aktionen konnten gut mit ihm herausgearbeitet werden. So benannte er kürzlich ganz stolz: „Ich kann eben beides!“

Schön zu sehen war, dass er sein Werk noch weiter fortsetze wollte. Inzwischen hat er drei Super Mario Figuren frei gezeichnet und ausgemalt wie auch einen eigenen Titel für das Gesamtwerk gefunden (siehe Foto).

Insgesamt ist davon auszugehen, dass M. zunächst die Sicherheit benötigte, sich an vorgeschriebene Schritte zu halten, um sich dann an freies gestalten zu wagen. In seiner oben erwähnten Bleistiftzeichnung zeigte er sich noch sehr starr.

Die Beziehung zu M. hat sich in den vergangenen Monaten gut entwickelt. So berichtet er gerne von dem, was ihn beschäftigt, nimmt seine Termine zuverlässig wahr, summt vor sich hin und scherzt. Themen wie sein Selbstwertgefühl und seine Familie bringt er von sich aus zur Sprache – oft auch im Rahmen der gestalterischen Prozesse. So war es bspw. naheliegend, überlegtes Vorgehen mit der Sorge in Verbindung zu bringen, keine Fehler zu machen.

Ein weiterer Schritt wird nun das Angebot an ihn sein, auf einer größeren Fläche mit Farbe zu experimentieren. Damit er sich noch mehr ausprobieren kann, sich nicht einengt, sondern wagt, Raum einzunehmen – ihn eben weiter zu ermutigen, in Bewegung zu kommen!

Zeiten des Abschieds

V. ist 13 Jahre alt und hat unerwartet ihre Mutter verloren. Ihre Trauer drückt sie auf unterschiedliche Weise aus. So wählt sie das Gespräch, das Malen von Bildern (siehe Foto) oder das Sich-Ausruhen in der Hängematte. Die Verarbeitung wird Zeit benötigen, auch durch die schwierige Beziehung, die sie zu ihrer Mutter hatte. Die dazugehörenden verschiedenen Gefühle und Gedanken kann sie in der heilpädagogischen Begleitung auch weiterhin ausdrücken und Unterstützung darin finden, sich neu zu orientieren.

Schul- und Ausbildungsförderung

Netzwerk und Kooperationen

Neben der Durchführung von Fördereinheiten für die jungen Menschen und die damit eingehenden Beobachtungen und Analysen war die Vernetzungs- und Kooperationsarbeit ebenfalls ein wesentlicher Bestandteil der Aufgaben in der Schul- und Ausbildungsförderung. So wurden die vielseitigen Aufgabenbereiche der Stadt Essen genutzt, um fortwährend ein Netzwerk aufzubauen. Denn weiterhin steht im Fokus, dass mit Hilfe des Netzwerkes aus externen Kooperationspartnern, Institutionen und Multiplikatoren das Potential unserer jungen Menschen ausgeschöpft und die Bedarfe gedeckt werden können.

Im Zuge dessen fand ein erstes Gespräch mit Frau Klanten und Herrn Uhl von der Stabstelle Integration der Stadt Essen statt. Das Gespräch wurde genutzt, um über unsere Erfahrungen im Lehr-/Lernkontext mit jungen Menschen mit Fluchterfahrung bzw. mit Migrationsgeschichte zu berichten und unsere Bedarfe an Frau Klanten und Herrn Uhl mitzuteilen, um möglichweise entsprechende Angebote zu entwickeln.

Hinsichtlich der bereits vorhandenen Angebote wurde festgestellt, dass die sprachliche Förderung für junge Menschen mit Fluchterfahrung, die auf eine Einschulung warten, nicht vorhanden ist. Ein derartiges Angebot könnte sich in der Phase, in der unsere jungen Menschen auf die Einschulung warten, als nützlich erweisen, um den sprachlichen Nachteil möglichst auszugleichen.

Anschließend daran wurde ein Gespräch mit Herrn Nassir und Herrn Molitor vom FB Schule der Stadt Essen durchgeführt. Im gemeinsamen Austausch konnten wir Informationen für Schulvorbereitungskurse für nicht eingeschulte Schüler:innen bzw. für unbegleitete minderjähriger Geflüchtete (umGs) gewinnen und bereits umsetzen.

Austausch mit der Jugendberufshilfe:
Module zum Aufbau von Medienkompetenzen

Ebenfalls wurde die Jugendberufshilfe (Frau Feldner & Herr Gerritzen) eingeladen, um über eine zukünftige Zusammenarbeit zu beratschlagen. Die Jugendberufshilfe ist ein kompetenter Partner u.a. im Übergang Schule-Beruf für junge Menschen.

Im Austausch wurde festgehalten, dass viele junge Menschen mangelnde Medienkompetenzen besitzen, d.h., dass Medien als Nutzwerkzeuge nicht effizient genutzt werden. Insbesondere bei der Anfertigung von Lebensläufen und Bewerbungsanschreiben zeigen sich Unsicherheiten. Die Schul- und Ausbildungsförderung hat daher beschlossen, Module zum Aufbau von Medienkompetenzen zu erstellen, um den Umgang und die Handhabung mit Medien und Programmen wie Microsoft Word zu vermitteln.

Des Weiteren haben Frau Feldner und Herr Gerritzen angeboten, Workshops (ca. 1,5h) für interessierte Pädagog:innen im Heimverbund zum Thema „Übergang Beruf“ anzubieten.

Ein weiteres Angebot der Jugendberufshilfe ist die Durchführung des Planspiels „Schule aus und jetzt?“. Dieses findet mit echten Akteuren statt und simuliert Szenarien des echten Lebens, u.a. Wohnungssuche, Jobcenterbesuche, Vorstellungsgespräche, etc. Unsere Jugendlichen können hierdurch wichtige Abläufe in einem sicheren Setting kennenlernen und Erfahrungen sammeln. Hier sollen Termine für die Durchführung in naher Zukunft anberaumt werden.

Individuelle Förderung

Schülerin A. ist seit September letzten Jahres an die Schul- und Ausbildungsförderung angebunden. Aufgrund eines traumatischen Erlebnisses verlor A. den Anschluss an die Schule. Insbesondere ließen die Leistungen in Mathematik stark nach, sodass sich massive Schwierigkeiten in dem Fach entwickelten. Darüber hinaus lebte A. bedingt durch das Erlebnis sehr zurückzogen.

Infolgedessen stellte sich die Durchführung der Förderung als Herausforderung dar, da A. aufgrund ihres introvertierten Verhaltens selten Rückmeldung gab.

Durch häufiges Nachfragen und Zusprüchen, sowie mit der Einräumung von Freiräumen wurde versucht, dass A. sich in der Schul- und Ausbildungsförderung zurecht findet und wohlfühlt. Mit der Zeit lies sich bemerken, dass A. sich geöffnet hat. Das zeigte sich in der Bereitschaft, selbstständig Rückfragen zu stellen oder Aufgaben an der Tafel eigenständig zu lösen. Dies sorgte dafür, dass A. immer besser mit den Inhalten des Mathematikunterrichts zurechtkam, was sich in den Klassenarbeiten widerspiegelte. Die letzte wurde mit „befriedigend“ benotet.

Die Förderung findet weiterhin statt, um A. auf die zentralen Abschlussprüfungen vorzubereiten, sodass der Übergang auf das Berufskolleg möglichst reibungslos stattfindet, um dort der Ausbildung als staatlich geprüfte Kinderpflegerin nachzugehen.

Seit November letzten Jahres ist Schüler B. an die Schul- und Ausbildungsförderung angebunden. Schüler B. war als Schulvermeider bekannt, der aufgrund von psychischen Erkrankungen eine Übergangsschule besuchte. Mit Hilfe der Schul- und Ausbildungsförderung wollte B. Sicherheit beim Lernen generieren, sodass der Schulwechsel problemlos ablaufen kann. Ein großes Hindernis in der Durchführung war B.s Problem mit der Müdigkeit. In einigen Einheiten zeigte B. bedingt durch Schlafstörungen massive Müdigkeitserscheinungen, die sich auf den Alltag und auch in den Fördereinheiten auswirkten. Dies wurde in mehreren Reflexionsgesprächen gemeinsam mit Mentor:innen thematisiert, dass hierzu Hilfe notwendig ist.

Bei der Planung der Fördereinheiten zeigte sich, dass die neu eingerichteten Themennachweise und Informationsbögen als äußerst hilfreich zeigten. Aus dem Bogen konnte man entnehmen, dass sich B. für Computerspiele und nordische Mythologie interessiert. Dies wurde genutzt, um als „Icebreaker“ Gespräche zu initiieren. Darüber hinaus wurde verstärkt auf die Arbeit mit digitalen Medien gesetzt, um den Lernprozess in den Hintergrund zu rücken, da es im Umgang mit digitalen Medien nicht als solches wahrgenommen wird.
Dadurch konnte auch von der Müdigkeit abgelenkt werden. Seit einigen Wochen lässt sich beobachten, dass die Leistungen in den Fördereinheiten stark gestiegen ist und B. sich auf einem sehr guten Niveau bewegt. Mittlerweile ist B. in einer Übergangsphase an einer Realschule in Essen und nutzt die Schul- und Ausbildungsförderung, um weiterhin Sicherheit zu generieren und die Inhalte des Schulunterrichts zu vertiefen.

L. ist 17 Jahre alt und besucht mittlerweile die 10. Klasse einer Gesamtschule in Essen. Durch ihren Fleiß und ihre Ausdauer und auch ihren Willen, etwas aus sich zu machen – trotz ihrer erschwerten Lebensumstände – ist sie auf dem guten Weg, das Abitur zu erreichen. L. besucht seit vielen Jahren regelmäßig und zuverlässig die Schul- und Ausbildungsförderung, wo sie hilfreiche Unterstützung auf unterschiedlichsten Ebenen auf ihrem Weg der Entwicklung bekommt.

Zum einen steht die Schul- und Ausbildungsförderung natürlich bei den schulischen Themen und Inhalten als konstanter und verlässlicher Ansprechpartner und Anlaufpunkt für Nachhilfe zur Verfügung.
In Laufe der Jahre hat sich herauskristallisiert, dass L. sich eindeutig in den naturwissenschaftlichen Fächern und in Mathematik mehr „zu Hause“ fühlt. Dies wird durch die Schul- und Ausbildungshilfe honoriert und gerade – trotz immer noch verankerten gesellschaftlichen Vorurteilen oder Hindernissen – unterstützt.

L. soll als junge Frau ihren zukünftigen Weg in dieser naturwissen- schaftlichen Richtung einschlagen bzw. ihr Interesse weiterverfolgen. In diesem Bereich braucht sie aber auch die wenigste (Nach)Hilfe, so dass L. eher in den sprachlichen Fächern Deutsch und Englisch zuletzt unterstützt wird. Es wird versucht mit Humor und Gelassenheit trotz ihres Unwillens, einen Zugang zu den erforderten literarischen Themen zu finden. Das Schimpfen und Haare-Raufen über „Die Physiker“ und die traditionelle Frage „Wofür brauch ich das?“ finden also auch Raum in den Fördereinheiten. Sie sind sogar willkommen, weil sie immer Ausgangspunkt für interessante Gespräche und Erkenntnisse sind.
Und dennoch wird z.B. versucht, durch Querverweise zu L.s Interessen sowie andere Beispiele auch Freude an der literarischen Untersuchung und Analyse zu wecken.
Im Englischen werden mündliche Vorträge erarbeitet und vorbereitet und L.s Medienkompetenz wird im Erstellen eine Keynote-Präsentation erweitert und vertieft.

L. hat trotz ihres erfolgreichen Lernverlaufs immer wieder größere Selbstzweifel und Unsicherheiten, die auch besonders in diesem Schuljahr an einer neuen Schule wieder vermehrt auftauchen.
Sie zeichnet häufiger ein eher negatives Bild von sich ohne objektiv ihre Stärken und Kompetenzen zu erkennen.

Um ihr einen anderen Zugang zu ihren Stärken zu ermöglichen und ihr auch ein erweitertes Spektrum für ihre zukünftigen Möglichkeiten aufzuzeigen, wurden Termine mit der Jugendberufshilfe ausgemacht und von der Schul- und Ausbildungsförderung begleitet.

Hier machte L. einen Selbsteinschätzungs- und Kompetenztest. Mit Hilfe der Ergebnisse hatte nun L. wissenschaftlich und schwarz-auf- weiß, was ihre Stärken und Kompetenzen wirklich sind. L. konnte hier also eine gute Portion Selbstbewusstsein tanken und falsche Selbsteinschätzungen ein wenig ablegen.

Als L. beim anstehenden Verfassen eines Bewerbungsschreibens für einen Praktikumsplatz aus sich heraus wieder keine genauen Ideen hatte, was ihre Stärken sind, konnten diese Ergebnisse herangezogen werden und ihre vielen Kompetenzen konnten als Aushängeschild und Visitenkarte selbstsicher zu Papier gebracht werden.

Derzeit sieht es danach aus, dass L. ein Praktikum in einer Bio-Bäckerei absolvieren wird, wo sie ihren Interessen an Nachhaltigkeit, Ernährung, Umweltschutz, chemischen Prozessen und dem Backen nachgehen kann.

L. fühlt sich im Rahmen der Schul- und Ausbildungsförderung so sicher, dass auch private Themen der persönlichen Entwicklung und der eigenen Identität Raum und ein offenes Ohr finden.
Beim Suchen nach dem eigenen Platz in der Welt versucht die Schul- und Ausbildungsförderung auch Literatur ans Herz zu legen, wie z.B. den Roman „The Long Way to a Small, Angry Planet“ von Becky Chambers, in dem humane Fragen der eigenen Identität in einem Sci-Fi Kontext behandelt werden. Hier schließt sich gleichzeitig der Kreis.

L. werden so die englische Sprache bzw. englischsprachliche Literatur nähergebracht und ihr analytischer Blick wird geschärft.