Kurzfassung Dokumentation: „Grundschulen stärken Schlüsselkompetenzen“

  1. Projektziel

Das Förderprojekt unterstützt Kinder im Übergang von einer Bildungsinstitution zur folgenden. Nach einer Neuausrichtung gegen Ende des ersten Projektabschnitts im Sommer 2017 und der Berücksichtigung der Projekterfolge aus vorherigen Projektzeiträumen ist die Zielsetzung für den erfolgreichen Übergang von einer Bildungsinstitution zur folgenden konkretisiert worden.

Da zukünftige Erstklässler einen Übergang von der „freien Lernwelt“ Kindertagesstätte in eine systematisch strukturierte „Wissenerwerbswelt“ erleben, werden sie schon vor Beginn der Schulzeit durch die „Starthilfe“ mit der Institution Schule und den benötigten Methodenkompetenzen vertraut gemacht. Zu Beginn der ersten Klasse werden durch Theater- und Tanzpädagogen soziale Kompetenzen geschult, die die Schüler bei der Bildung einer funktionierenden Klassengemeinschaft unterstützen und ein sicheres und faires Lernumfeld für alle Mitglieder schaffen.

In den vierten Klassen sollen Übungen aus den Bereichen Selbst- und Fremdwahrnehmung die Achtsamkeit der Schüler so festigen, dass durch Selbstregulation und Empathie eine solide Basis für ein soziales Miteinander geschaffen werden kann. Das kontinuierliche Trainieren dieser Sozialkompetenzen mit den Theaterpädagogen soll jedes Kind so stärken, dass es gefestigt in eine neue Klassengemeinschaft gehen kann und den Übergang zur weiterführenden Schule als selbstverständliche Folge seines Bildungsweges verstehen wird.

 

  1. Organisation

Übergang Kita – Grundschule

Zukünftige Erstklässler → „Starthilfe – wir werden Schulkinder“ mit 12 Einheiten/Gruppe

Klasse1 → tanz- und theaterpädagogische Fördereinheiten mit 22 Einheiten/Klasse

Übergang Grundschule – weiterführende Schule

Klasse 4 → theaterpädagogische Fördereinheit mit 31 Einheiten/Klasse

Die vier beteiligten Grundschulen Grundschule Nordviertel, Hövelschule, Hüttmannschule und Schule am Wasserturm führten innerhalb der eigenen Schulen die Förderung vom ersten Übergang in eigener Verantwortung durch. Der zweite Übergang von Grundschule zur weiterführenden Schule wurde im Bereich der Personalsuche und der fachlichen Kompetenz durch die Theaterpädagogen des Schauspiel Essen unterstützt.

 

  1. Evaluation

Die Beurteilung der Entwicklung hinsichtlich der Zielvorstellungen erfolgte zum einen durch Interviews und zum anderen durch Erhebungsbögen.

Durch die Daten der Erhebungsbögen soll die Eignung für die Anforderungen in der Schule erfasst werden. Die Enderhebung nach nur ca. 12 Wochen Förderung zeigte, wie sinnvoll eine gezielte Förderung in dieser Lernphase der Kinder ist. Der Anteil der Kinder, deren Fähigkeiten noch nicht den Kriterien der Schulfähigkeit entsprachen, war von 36% auf 9% gesenkt worden. Der Anteil der schulfähigen Kinder ohne nennenswerten Förderbedarf war signifikant von 6% auf 26% gestiegen. Alle Beteiligten würden die Förderarbeit gerne weiterführen, wenn nicht sogar ausbauen. Das Feedback der Kitaleitungen und Mitarbeiter war ausnahmslos positiv. Viele Eltern begrüßten die Projektarbeit.

Den meisten Lehrkräften der ersten Klassen fiel positiv auf, dass die Kinder aufgeschlossener für unterschiedliche Team- und Partnerarbeiten seien. Viele Kinder würden die persönlichen Aktions- bzw. Handlungsräume anderer Kinder gewissenhafter akzeptieren und respektieren. Ein Großteil der Klassenlehrer der vierten Klassen sah viele positive Aspekte der Förderung. Die theaterpädagogischen Übungen würden helfen, gerade zu Beginn der Pubertät bei vielen Schülern die Körper- bzw. Selbstwahrnehmung zu verbessern. Sowohl in den ersten als auch in den vierten Klassen würden kaum noch Ausgrenzungen von Kindern (z.B.: Seiteneinsteiger, Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf) stattfinden. So könnten sich auch Kinder erfolgreich beweisen, die im Schulalltag eher mäßige Erfolge erzielten. Lernmotivation und Konzentration seien bei vielen Kindern durch die Übungen gesteigert worden. Die Gruppendynamik habe sich in den meisten Klassengemeinschaften verbessert. Etwas mehr als ein Drittel gab an, dass sich die Motorik der Kinder und die Körperwahrnehmung verbessert hätten. Einige Lehrkräfte wünschten sich eine dauerhafte Eingliederung von theaterpädagogischen Stunden im regulären Schulalltag.

 

  1. Schlussbetrachtung

Nach einem holprigen Start in das erste Projektschuljahr hat die Förderarbeit im zweiten Schuljahr den richtigen Weg eingeschlagen.

Im zweiten Projektschuljahr wurden fast 800 Kinder durch die drei Förderangebote erreicht. Die Projektarbeit findet, bis auf wenige Ausnahme, nur Befürworter. Einige Lehrkräfte äußerten sogar den Wunsch, dass theaterpädagogische Einheiten fest in jedem Schuljahr bis zum Schulabschluss integriert werden sollten. Der positive Effekt war in allen teilnehmenden Kindergruppen deutlich zu erkennen. Der Übergang von einem Bildungssystem ins nächste konnte für den Großteil der Kinder erfolgreich geebnet werden.

Die Erfahrungen aus dem Schuljahr 2017/2018 haben gezeigt, dass eine Kombination aus kognitiver Förderung und ein kontinuierliches Training der sozialen Kompetenzen sinnvoll und vor allem im Bereich des sozialen Lernens grundlegend ist, um eine erfolgreiche Bildungsbiographie zu unterstützen.

Das durch die Anneliese Brost Stiftung geförderte Projekt „Grundschulen stärken Schlüsselkompetenzen“ hat gezeigt, dass man durch den gezielten und kontinuierlichen Einsatz von Förderungen im Bereich Schlüsselkompetenzen die Schwellenängste der Kinder in Bezug auf den Übergang in ein neues Bildungssystem abbauen und dem neuen pädagogischen System selbstbewusst begegnen kann.

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