Netzwerk für Jugendliche geplant

Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 6. November 2015

Altendorf. Gewalt und Drogen. Altendorf hat nicht den besten Ruf. Um Jugendlichen eine Zukunft im Stadtteil zu bieten, wurde ein neues Netzwerk gegründet.

Der Ruf Altendorfs, ohnehin nicht der beste, hat in letzter Zeit durch einen Angriff mit einer Schusswaffe auf einen Profiboxer und die Tötung eines 43-jährigen Pferdepflegers auf offener Straße weiter gelitten (wir berichteten). Vorkommnisse, gegen die nur schwer anzukämpfen sind. Bei aller Kriminalität und allen Negativschlagzeilen aus dem Stadtteil gibt es aber auch positive Nachrichten. Und Menschen, die es sich auf die Fahne geschrieben haben, den Stadtteil nach vorne zu bringen – besonders im Hinblick auf die Entwicklung der jüngsten Bewohner.

Umgeben von Flipcharts, Zetteln und Plakaten sitzen etwa 70 Akteure zusammen in der Mensa der Gesamtschule Bockmühle. Aufgeteilt in kleinen Gruppen machen sie sich Notizen, reden, diskutieren, sammeln Ideen – fünf Stunden dauert dieser Nachmittag insgesamt. Fünf Stunden, in denen der Grundstein für eine gelingende Bildungs- und Präventionskette gelegt werden soll, um in die Zukunft der Kinder und Jugendlichen aus dem Stadtteil zu investieren und um sie in ihrer Entwicklung zu unterstützen.

An den Tischen sitzen unter anderem Vertreter der Essener Jugendhilfe, der Stadt, des Vereins für Kinder- und Jugendarbeit in sozialen Brennpunkten (VKJ), der Sozialraumorientierten Arbeit und Beratung (ISSAB) oder auch zahlreiche Stadtteilakteure und Fachkräfte aus verschiedenen sozialen Einrichtungen sowie der Anneliese-Brost-Stiftung, die die Fördergelder für das Projekt stellt.

„Das Engagement der Menschen aus dem Quartier ist sehr groß“, lobt Annette Berg, Leiterin des Jugendamtes, die beachtliche Teilnehmerzahl an dem Workshop. Das merke man nicht nur an diesem Nachmittag, sondern auch an allen anderen Tagen im Stadtteil. Laut Berg gebe es zahlreiche und vielfältige Angebote für die jüngsten Bewohner von Altendorf, jedoch gelte es, die Angebote effektiver zu nutzen und sie vor allem intensiver zu vernetzen.

Mit etwa 3600 Bewohnern unter 18 Jahren gehört Altendorf zu den recht jungen Stadtteilen. Allerdings ist es ein Stadtteil, in dem viele Alleinerziehende leben. Ebenso verhält es sich mit dem Anteil der Menschen, die Leistungen zur Existenzsicherung beziehen oder nicht-deutscher Herkunft sind. „Aus dieser sozialen Mischung ergeben sich Herausforderungen, die die Stadtteilakteure künftig gemeinsam und in enger Abstimmung schultern wollen. Erreichen wollen sie, dass Kinder gesund aufwachsen können, dass sich Erziehung und Bildung der jungen Menschen verbessert und Armut, Gewalt und Missbrauch systematisch angegangen werden“, heißt es seitens der Stadt. Vor allem für benachteiligte Kinder aus dem Stadtteil soll nun also eine „Bildungs- und Präventionskette“ für einen starken Zusammenhalt installiert werden. Auch die Eltern möchte man erreichen; ihnen Anlaufpunkte bieten und zur Seite stehen, wenn es um die Entwicklung ihrer Schützlinge geht.
Am Ende des Workshops, der Auftaktveranstaltung für das Projekt, das zunächst bis Juli 2016 angelegt ist, scheint der erste Schritt also getan: Am späten Nachmittag unterzeichneten die Teilnehmer eine Vereinbarung, in der sie ihre Bereitschaft für die weitere Zusammenarbeit besiegelten. Los geht’s!

Julia Witte

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