Anneliese-Brost-Stiftung in Essen ist erfolgreich

WAZ Essen 10.Oktober 2014

 

Anneliese-Brost-Stiftung in Essen ist erfolgreich

abs-erfolgreich

Kamen zuletzt im „Förderturmhaus 2“ zusammen: Protagonisten von Stiftung und Bildungs-Einrichtungen sprachen über gemeinsame Ziele. Foto: Knut Vahlensieck

 

Die von der 2010 verstorbenen WAZ-Herausgeberin ins Leben gerufene Stiftung unterstützt seit Jahren Projekte, die benachteiligte Kinder und Jugendliche fördern. Seit 2009 ist schon 600 Kindern geholfen worden. Und das mit großem Erfolg. Der ursprünglich hohe Förderungsbedarf nahm rapide ab.

„Kommunale Präventionskette“ ist ein seltsames Wort-Ungetüm, gemeint ist: Städtische Angebote, die es gibt, damit Bildungsbiographien gelingen, sollen miteinander verbunden werden. Das heißt: Von der Schwangerschaftsberatung für die Mutter bis zur Begleitung durch den Kindergarten über Hilfen bei Problemen in der Grundschule bis zum Wechsel in die weiterführende Schule. Besonders die Übergange weiß man, sind oft Knackpunkte, an denen Bildungsbiographien eben nicht gelingen, sondern an denen Kinder und Jugendliche abrutschen, trotz Begabung. Abrutschen oder durchs Raster fallen. Sechs bis sieben Prozent eines Jahrgangs verlassen eine Schule ohne Abschluss. „Kein Kind zurücklassen“ heißt ein landesweites Programm, das solche „kommunalen Präventionsketten“ aufzubauen versucht, in vielen Städten NRWs, aber nicht in: Essen. Die Anneliese-Brost-Stiftung hat beeindruckende Zahlen vorgelegt.

Nicht, dass es hier nichts gäbe; wer den Bildungsdezernenten der Stadt kennt, weiß, wie oft Peter Renzel von „kohärentem Bildungsmanagement“ spricht, von der lückenlosen Dokumentation und Begleitung von Bildungsbiographien, und in seinem Bildungsbüro ist eine Abteilung allein mit dem Thema „Übergänge“ beschäftigt. Wie auch immer: Wo Landesprogramme nicht existieren, helfen nicht selten Stiftungen. In Essen ist das die Anneliese-Brost-Stiftung, die jetzt beeindruckende Zahlen vorgelegt hat, was relativen Seltenheitswert hat, Bildungs- und Förderprojekte betreffend, weil Bildungserfolge sich nur schwer oder erst Jahre später in konkreten Zahlen messen lassen.

Seit 2009 sind rund 600 Kinder gefördert worden. Die Kindergärten rund um drei Essener Grundschulen, die alle nicht in Wohlstandsvierteln liegen, bekamen über Jahre Besuch von Lehramts-Studenten und Honorarkräften, die zweimal wöchentlich mit den Kindern im letzten Jahr vor Schulbeginn in Kleingruppen Übungen absolvierten: in Deutsch als Fremdsprache und mit Spielen, die Motorik und Sozialverhalten schulten. Seit 2009 sind so rund 600 Kinder gefördert worden, die Hövelschule (Altenessen), die Schule am Wasserturm (Südostviertel) sowie die Grundschule Nordviertel nahmen die Kinder später auf – und die Zahlen sind eindeutig: Zu Beginn der Übungen wurde je nach Schule bei 55,3 bis 100 Prozent der Kinder ein „erheblicher Förderbedarf“ festgestellt. Am Ende des Jahres, direkt vor Schulbeginn, wurde ein „erheblicher Förderbedarf“ nur noch bei 2,1 oder 6,4 Prozent der Kinder an den Schulen festgestellt. Bei der Hälfte der Kinder gab es zwar noch Förderbedarf, aber eben keinen „erheblichen“ mehr. Die Universität Duisburg-Essen, die die Studierenden stellte, ist an der Fortführung des Projekts und an einer weiteren wissenschaftlichen Mitarbeit sehr interessiert, heißt es.

Martin Spletter

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